Eigentlich war es nur ein Umsteigen. Ich hatte meine Tochter, damals vierzehn, nach Dubai gebracht, zu einem Praktikum bei einem Performance-Coach, und war noch eine Woche im Oman geblieben, um zu schauen, ob alles passt, weil vierzehn noch jung ist. Dann habe ich gesehen, sie passt, alles cool, ich kann sie einen Monat allein lassen. Also wollte ich weiter nach Istanbul, wo ich ein Büro habe, und der Flug ging über Beirut. Eine Nacht übernachten, mir die Stadt anschauen, am nächsten Tag weiter.
Dann wurde der Flug gestrichen. Der nächste auch. Und dann ist es losgegangen.
Ich bin auf dem Balkon im Hotel gestanden und habe Detonationen gespürt, die Druckwellen. Das ist mir zweimal passiert. Das Hotel war ein Fünf-Sterne-Haus an der Promenade, neun Stockwerke, hundert Zimmer, und ich war der einzige Gast, vielleicht waren noch zwei andere da. Als es losging, sind die Leute aus den Vierteln geflüchtet, mit Kindern, mit Matratzen, und auf einmal war das Haus voll. Ich hätte keinen Platz mehr bekommen. Aber die vom Hotel haben gesagt: Weißt du was, du bleibst bei uns, weil wenn ein Ausländer da ist, haben wir weniger Chancen, dass sie uns angreifen, die checken das irgendwie durch, wegen der Nachrichten. Also bleib bitte hier. Für mich war das Zimmer immer frei.
Flüge gab es keine mehr, nur noch eine nationale Airline. Und da habe ich gewartet, fast zwei Wochen.
Was macht man zwei Wochen lang in einem Hotel, während draußen Krieg ist? Ich habe gearbeitet, jeden Tag. Ich habe Projekte angehen können, die ich die letzten zehn Jahre nicht geschafft habe. Ich hatte immer alles aufgenommen, Taiwan mit den Kindern, die Zeit in Kambodscha, die Finca in Kolumbien, aber ich habe es nirgends veröffentlicht, weil ich zu faul war, mich hinzusetzen und alles durchzugehen. Zu viel Arbeit. In diesen zwei Wochen habe ich es zum ersten Mal hinbekommen. Das hätte ich nie geschafft, wenn ich normal gereist wäre. Das war eigentlich das Gute im Schlechten.
Rausgekommen bin ich mit einem der letzten Plätze. Ich bin selbst zur Fluglinie gegangen, und die haben mir irgendwo noch einen Platz nach Zypern eingeschoben, nach Larnaca. Auf der Fahrt zum Flughafen roch es nach Bomben, nach Rauch, nach Sprengstoff, weil dort vorher Raketen eingeschlagen waren. Der Flughafen war wie tot. Kein Restaurant offen, eine Geisterstadtstimmung. Ein paar Stewardessen und Mitarbeiterinnen haben mir dann aus ihrem eigenen mitgebrachten Essen einen Teller bereitet, weil sonst alles zu war. Das war lieb. Ich habe davon ein Video gemacht.
Man muss immer das Beste aus der Situation machen. Das ist das. Was hättest du mit diesen zwei Wochen gemacht?


