Wir lebten damals in Siem Reap, in Kambodscha. Die Jungle-School auf den Philippinen war für meine Große nicht mehr genug, sie war sieben, sie wollte lesen, schreiben, rechnen, und die Kleine war fünf und brauchte Struktur. In Siem Reap gab es eine internationale Schule mit britischem Lehrplan und englischen Lehrern, die Mädchen wurden angenommen, und wir mieteten ein Haus in der Nähe.
Dann habe ich gesehen, sie machen Lockdowns. Es hieß, der König werde Kambodscha zusperren, alles zu, auf unbestimmte Zeit. Ich rechnete. Wenn das Land geschlossen wird, sitze ich hier fest. Mit zwei Kindern.
Mit zwei kleinen Kindern in einer Wohnung in Wien eingesperrt zu sein, das war keine Option. Ich schaute auf die Landkarte und dachte: Wo auf der Welt wird es am wenigsten verrückt? Und dann sagte ich: Wir gehen nach Taiwan.
Zwei Tage später war die Grenze zu. Wer an dem Morgen nicht ausgereist war, saß fest. Ich buchte drei Tickets, und es war das letzte Flugzeug von Bangkok nach Taiwan. Danach war dicht.
Wir kamen nach Kenting, in ein Dorf am Strand im Süden der Insel. Einziger Platz, kein Lockdown. Es war Beachparty, Volleyball, Grillen, Livemusik am Strand. Und gleichzeitig hatte ich die volle Verantwortung für zwei kleine Mädchen in einem Land, dessen Schrift ich nicht lesen konnte und dessen Sprache ich nicht verstand. Die Lehrerin sprach kaum Englisch, die Kinder sprachen gar kein Chinesisch, und trotzdem funktionierte es, weil Kinder eine Sprache haben, die keine Vokabeln braucht.
An dem Tag, an dem die Nachrichtensender anfingen, Todesfälle wie Börsenkurse zu tickern, drehte ich den Fernseher ab. Nicht für einen Tag. Für immer.
Die Welt war verrückt. Wir nicht.
Alle waren eingesperrt, und ich war mit meinen Töchtern unterwegs. Ich habe dreißig Jahre lang Optionen aufgebaut, und an genau solchen Tagen machen sie den Unterschied. Wo wärst du gewesen, wenn du dieses Flugzeug verpasst hättest?

